Freie Bahn von See zu See

Die Landesdirektion Sachsen arbeitet für einen attraktiven Wassertourismus im Lausitzer Seenland

Wenn eine Seenlandschaft zum wassertouristischen Eldorado werden soll, dann – da sind sich die Entwickler in der Fremdenverkehrswirtschaft einig – klappt das am besten, wenn möglichst viele und möglichst große Wasserflächen miteinander über Wasserläufe oder Kanäle verbunden sind.
 
Für die Lausitz, wo die grubenübersäte Folgelandschaft des über Jahrzehnte andauernden, ausgedehnten Braunkohletagebaus den Ausgangspunkt für die touristische Entwicklung darstellt, hieß das: die in den aufgelassenen Tagebausenken hergestellten Seen müssen durch künstlich angelegte Wasserstraßen miteinander verknüpft werden. Deshalb sieht die Rekultivierung der Lausitzer Bergbaufolgelandschaft zwischen zehn der entstehenden Seen die Einrichtung von insgesamt 13 schiffbaren Kanälen vor. Damit wären für Wassertouristen 7000 Hektar Wasserfläche in einem Zug zugänglich. Das ist die Hälfte der im Lausitzer Seenland letztendlich überhaupt nutzbaren Wasserfläche.
 
Aufgabe der Landesdirektion Sachsen (LDS, ehemals Regierungspräsidium Dresden) als obere Wasserbehörde war und ist es, in wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren das Baurecht für die Tagebaurestgewässer und die Kanaldurchstiche zwischen den Seen herzustellen. Das schafft die für die Herstellung und die anschließende Nutzung der neuen künstlichen Gewässer erforderliche Rechtssicherheit.
 
ÜbersichtskarteSo ist das auch beim Überleiter 9 geschehen. Nach der Schutzheiligen der Bergleute wurde dieser Überleiter Barbarakanal benannt. Er sollte den Geierswalder See (früher Tagebau Koschen) und den Partwitzer See (früher Tagebau Skado) miteinander verbinden. Geotechnisch war dieser Überleiter ein anspruchsvolles Unterfangen. Die beiden ehemaligen Gruben trennte als Damm eine Abraumkippe, die in sich inhomogen und damit nicht ausreichend stabil gegenüber dem gewaltigen Druck der Wassermassen in den beiden anliegenden Seen war. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) musste das Kippenmassiv deshalb zunächst mittels Rütteldruck- und Fallgewichtsverdichtung stark komprimieren, bevor es als neues Seeufer und Kanalbaustelle überhaupt geeignet war.
 
Mit der Planfeststellung, die für den Barabarakanal im Dezember 2004 erfolgte, war jedoch erst ein Teilstück des Weges bis zu seiner Schiffbarkeit und Inbetriebnahme zurückgelegt. In den folgenden Jahren stellten ein Mangel an Flutungswasser, Probleme mit der Wasserqualität in den Seen und unerwartete geotechnische Veränderungen im Bergbau-Sanierungsgebiet eine Reihe an Herausforderungen an die fachliche Begleitung und behördliche Überwachung des Vorhabens durch die LDS.
 
Die letzten baulichen Schritte am Kanal erfolgten in den Jahren 2018 und 2019 mit dem Einbau der schifffahrtstechnischen Ausstattung des Kanals und seiner Mündungen in die Tagebaurestseen. Nachdem der Geierswalder See schrittweise 2013 und 2018 bereits für die Nutzung durch jedermann freigegeben worden war, rückte mit der fortschreitenden Sanierung des Partwitzer Sees nun auch die Eröffnungsfahrt zwischen den beiden Seen in greifbare Nähe. 
 
Die LDS führte deshalb im Jahr 2019 das Verwaltungsverfahren zur Feststellung der Fertigstellung (FdF) durch, um so zu einer Allgemeinverfügung für die Nutzung durch jedermann zu kommen. Wesentlich dafür sollten die Ergebnisse der Anhörung unter anderem der Anliegergemeinde Elsterheide, der LMBV als bergrechtlich Verantwortliche sowie einer Reihe brandenburgischer und sächsischer Behörden werden. Nachdem am 23. August 2019 mit der Unterzeichnung eines Bewirtschaftungsvertrages zwischen der LMBV und dem Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen (ZV LSS) eine weitere Hürde genommen war, konnte die Allgemeinverfügung der LDS in die öffentliche Bekanntmachung gehen.
 
Diese Allgemeinverfügung trat am 28. September 2019 in Kraft, die offizielle Einweihung des Kanals erfolgte wenige Tage später am 1. Oktober. Seitdem erschließen immer mehr Wassersportler nicht nur vom Geierswalder, sondern auch vom weiter westlich liegenden Senftenberger See her kommend die neuen nutzbaren Gewässerflächen des Partwitzer Sees über den Barbarakanal.
 
Das Lausitzer Seenland ist damit dem Ziel, eine attraktive Location für wassertouristisches Publikum zu werden, wieder einen großen Schritt näher. Dennoch bleibt viel zu tun. Zur Unterstützung des fundamentalen Strukturwandels in der Lausitz – weg von der Braunkohle, hin unter anderem zu Dienstleistungen und Tourismus - wird die LDS auch in den kommenden Jahren mit wasserrechtlichen Verwaltungsverfahren für weitere Seen und Überleiter intensiv beschäftigt sein. 

Abteilung Umweltschutz - Referat Oberflächenwasser, Hochwasserschutz

Luftbild: Blick auf den Partwitzer See in Richtung Geierswalder See