Auch beim Katastrophenschutz: Übung macht den Meister

„Schöna 2019“ vereint mehr als 1000 Einsatzkräfte bei der Evakuierung eines verunglückten Zuges im Elbtal

Langanhaltende schwere Gewitter, Hagel, Orkanböen, großflächige Stromausfälle: In Dresden sowie in den Landkreisen Bautzen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurde Katastrophenalarm ausgerufen. Die Rettungs- und Hilfskräfte sind im Dauereinsatz. Pflegeheime sind stromlos, ein Krankenhaus muss evakuiert werden. Plötzlich heulen auch in Schmilka die Sirenen. Ein EuroCity mit nahezu 300 Passagieren ist auf seiner Reise in Richtung Prag im Elbtal in unmittelbarer Nähe der Grenze zur Tschechischen Republik in einen Erdrutsch gerast und entgleist. Hunderte von Unfallopfern benötigen rasch Hilfe.

Logo SCHÖNA 2019Mit diesem Übungsszenario begann am 24. August 2019 bei strahlendem Sonnenschein die größte Katastrophenschutzübung, die es im Freistaat Sachsen bislang gab. Rund 1.100 Rettungs- und Hilfskräfte, 259 Verletztendarsteller, zahlreiche Beschäftigte von Krankenhäusern und Behörden sind dabei in einen komplexen Übungsablauf eingebunden.

Die Landesdirektion Sachsen hat diese Übung geplant und vorbereitet. Ständige Aufgabe der Behörde ist es, kreisübergreifend und koordinierend tätig zu werden, wenn Gefahren- und Schadenslagen sich zu einer Krise entwickeln, bei der die kommunalen Maßnahmen und Mittel für die Bewältigung der Situation nicht ausreichen. Die Beschäftigten im zuständigen Referat leisten außerdem - zum Beispiel mit der im dreijährigen Abstand durchgeführten Landeskatastrophenschutzübung - einen wichtigen Beitrag zur Katastrophenvorsorge.

Das simulierte Zugunglück im Übungsszenario „Schöna 2019“ führt auf der zweitwichtigsten internationalen Bahnstrecke Deutschlands zu einem Massenanfall an Verletzten. Die zahlreichen Unfallopfer müssen in topografisch schwieriger Lage gerettet, versorgt und abtransportiert werden. Die schwer zugängliche Unfallstelle macht den Helfern zu schaffen. Die Führungseinrichtungen der Einsatzkräfte sind allein schon durch die große Anzahl der deutschen und tschechischen Rettungskräfte vor außergewöhnliche Herausforderungen gestellt.

Das Zusammenspiel der Einsatzkräfte funktioniert jedoch trotz der komplexen Lage hervorragend. In Windeseile werden Rettungskräfte an die Unfallstelle herangeführt, Patientenablagen eingerichtet und die Rettung der Verletzten aus dem Zug beginnt. Der Erstversorgung der stilecht geschminkten Komparsen vor Ort schließt sich der Transport der vital bedrohten und als schwerer verletzt Markierten in die Krankenhäuser von Usti, Děčín, Sebnitz, Bautzen, Pirna, Freital und Dresden an. Dabei sind Boote, unzählige Rettungswagen und ein Hubschrauber im Einsatz. Erstmalig wurde auch die Nutzung eines Zuges zur Zuführung von Technik und Feuerwehrkräften sowie zum Abtransport Leichtverletzter erprobt. Eine Medizinische Taskforce des Bundes errichtet einen „Behandlungsplatz 50“ und versorgt dort Verletzte, die nicht direkt zu einem Krankenhaus gebracht werden. Ein „Betreuungsplatz 200“, den es in Sachsen so noch nicht gab, wurde vom Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge konzipiert und in dieser Übung erfolgreich getestet.

Natürlich setzt so eine große Übung eine intensive Vorbereitung voraus. Bereits im Januar 2015 war damit begonnen worden, ein Konzept für eine Landeskatastrophenschutzübung zu entwerfen. In die Vorbereitungen waren die Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Bautzen, die Landeshauptstadt Dresden, Hilfsorganisationen, das THW, die Deutsche Bahn, die Polizei, Vertreter der Tschechischen Republik und viele weitere Beteiligte eingebunden.

Zur Übungsvorbereitung gehörte auch eine bereits ab Jahresbeginn 2019 über viele Kanäle laufende Kampagne zur Information der breiten Öffentlichkeit über die mit der Vollübung verbundenen Einschränkungen für Anwohner und Besucher des Übungsraumes. Immerhin war „Schöna 2019“ die erste Landeskatastrophenschutzübung, die an einem Ausflugswochenende mitten in einem Erholungsgebiet platziert wurde. Die Kampagne verfolgte das Ziel, Verständnis für die mit der Übung verbundenen Einschränkungen zu entwickeln und Besucherströme am Übungstag vom Übungsraum möglichst fern zu halten.

Die Bilanz der Übung war nicht nur bezogen auf dieses Ziel positiv. Die mit einer so großen Übung unweigerlich verbundenen besonderen Herausforderungen meisterten die Akteure überzeugend. Der unschätzbare Zuwachs an Erfahrungen bei den beteiligten Behörden, Einsatzkräften und Einrichtungen geht als zusätzlicher Quell von Kompetenzen in die Bewältigung möglicher künftiger Krisen- und Katastrophenlagen ein.

Der Übung schließt sich die intensive Auswertung mit allen Beteiligten an. Um die Einsatzfähigkeit der Hilfs- und Rettungskräfte zu optimieren, werden ein reger behördenübergreifender Austausch von Erkenntnissen betrieben, Übungserfahrungen verallgemeinert und erkannte Schwachstellen ausgeräumt.  

Denn: Nach der Übung ist vor der Übung. Und Katastrophen – welcher Art auch immer – kommen in den meisten Fällen plötzlich und unerwartet. Zum Schutz von Leib und Leben sowie Hab und Gut der Bürgerinnen und Bürger müssen die sächsischen Behörden jederzeit auf eine solche Ausnahmesituation vorbereitet sein. Genau deshalb laufen inzwischen bereits die Planungen für eine nächste Landeskatastrophenschutzübung.

Abteilung Inneres, Soziales und Gesundheit - Referat Feuerwehrwesen, Rettungsdienste, Katastrophen- und Zivilschutz

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