Auch Hollywood dreht hier nicht ohne Genehmigung

Die Landesdirektion bringt das Filmgeschäft und den Naturschutz in der Sächsischen Schweiz unter einen Hut

Dreharbeiten sind möglich: Aufnahmen zum Märchenfilm ″Der Süße Brei″Filme werden nicht nur in Hollywood oder Babelsberg gedreht.  Auch die bizarren Felsformationen, Wälder und Täler des weltberühmten Elbsandsteingebirges dienen immer wieder als Bühne für Dreharbeiten aller Art, angefangen von Dokumentationen über diese einzigartige Naturlandschaft selbst bis hin zu ganz großen, abendfüllenden Spielfilmformaten internationaler Filmproduktionsgesellschaften.

So wurden Szenen von internationalen Kassenschlagern wie  „Inglourious Basterds“, „Cloud Atlas“ und „Der Vorleser“ in der Nationalparkregion gedreht. Aber auch kleinere, primär  auf das europäische Publikum zielende Produktionen wie „Das kalte Herz“, „Der süße Brei“ und „Paradies Heimat – Der Ranger“ fanden mit dem Elbsandsteingebirge einen attraktiven Spielort.

Sächsische Schweiz: Blick auf die Basteibrücke   © Konstantin Kalishko/123RF.COMDie Felskulisse der Sächsischen Schweiz und die sie umgebenden Wälder stehen jedoch als Nationalparkregion  - bestehend aus Nationalpark und Landschaftsschutzgebiet - unter besonderem Schutz, um diese Landschaft auch für künftige Generationen zu erhalten und erlebbar zu machen.

Bei der Nationalparkregion handelt es sich um ein naturschutzfachlich sehr sensibles Gebiet. Veränderungen - insbesondere in der Kernzone des Nationalparkes - sollen ausschließlich natürlichen Prozessen folgen und menschliche Eingriffe aller Art vermieden werden. Was hier erlaubnispflichtig oder auch ausdrücklich verboten ist, hat der Freistaat Sachsen in einer eigenen Verordnung geregelt. Weitere Einschränkungen in der Nutzung des Gebietes können sich aus der Betroffenheit von speziellen Arten- und Biotopschutz oder Natura 2000-Belangen ergeben. Grundsätzlich gilt: Alle  Handlungen, die zu einer nachteiligen Veränderung des Schutzgebietes oder zu einer erheblichen Störung führen, sind im Nationalpark nicht zulässig.

Das Filmen muss deshalb nach klaren und strikten Regeln ablaufen.  So  darf zum Beispiel in der Kernzone des Nationalparks zum Schutz der Natur auch bei aufwändigen Dreharbeiten das Gelände außerhalb zugelassener Wege nicht betreten werden. Auf nicht für den öffentlichen Verkehr zugelassenen  Wegen, Straßen und Plätzen darf weder gefahren noch Fahrzeuge oder Equipment abgestellt werden. Um Tiere nicht zu stören, dürfen keine Anstrahlungen oder Beleuchtungen in der Dämmerung oder in der Nacht erfolgen. Ebenso dürfen Gewässer oder Gewässersohlen nicht betreten und Felsen nicht beschädigt werden.

Zwar verspricht der Einsatz von Drohnen in vielen Fällen besonders effektvolle Aufnahmen. Der Betrieb von Drohnen ist im Nationalpark jedoch generell unzulässig, um vor allem Vögel nicht zu irritieren oder beim Brüten zu stören. Die Bruterfolge vieler im Nationalpark vorkommender seltener Arten wie etwa des Wanderfalken oder des Uhus sind nur möglich, wenn diese Tiere in ihren Lebensräumen unbehelligt bleiben.

Für den Bereich des Landschaftsschutzgebietes gelten hingegen weniger strenge Maßstäbe. So ist zwar auch dort das Starten und Landen mit Drohnen - mit Ausnahme von Ortslagen - verboten, nicht aber das Überfliegen des Schutzgebietes. Das Befahren und Abstellen von Fahrzeugen außerhalb dafür zugelassener Straßen, Wege und Plätze steht im Landschaftsschutzgebiet unter einem Erlaubnisvorbehalt und kann in Abhängigkeit der konkret umzusetzenden Dreharbeiten nach Prüfung eines entsprechenden Antrages zugelassen werden.

Wer in der Nationalparkregion einen Film drehen will, kommt in vielen Fällen an der Landesdirektion Sachsen (LDS) nicht vorbei. Ausnahmslos gilt das dann, wenn der geplante Dreh ohne einen Verstoß gegen die Nationalparkverordnung oder andere naturschutzrechtliche Regelungen nicht möglich ist. In solchen Fällen entscheidet die LDS nach Beteiligung der Nationalparkverwaltung als Naturschutzfachbehörde, ob aus Gründen eines überwiegenden öffentlichen Interesses ausnahmsweise eine Befreiung von den Vorschriften möglich ist. An derartigen Entscheidungen sind dann immer auch die anerkannten Naturschutzverbände zu beteiligen

Der Antrag auf eine Drehgenehmigung in der Nationalparkregion muss – um seine Zulässigkeit solide bewerten zu können – die Details der geplanten Aufnahmen darstellen. Dazu gehören zum Beispiel die Lagepläne konkreter Drehorte, die Beschreibungen geplanter Spielszenen, die Anzahl der anwesenden Personen am jeweiligen Spielort sowie Angaben zur eingesetzten Technik. Auch der Zeitpunkt und die Dauer der Dreharbeiten muss im Antrag mitgeteilt werden, um das Störpotential für die Natur (z.B. die Überschneidungen mit Brutzeiten) abschätzen zu können. Nicht zuletzt sollten die Filmemacher überzeugend begründen können, dass ihr Projekt konzeptionell auf den Dreh im Schutzgebiet (insbesondere im Nationalpark) angewiesen ist.

Die LDS sieht ihre Aufgabe nicht nur darin, eingereichte Anträge zur Filmproduktion im Elbsandsteingebirge zu prüfen, sondern berät Filmemacher gemeinsam mit der Nationalparkverwaltung zu den wichtigen Fragen im Vorfeld einer Antragstellung.
Sobald die bewertungsrelevanten Unterlagen vollständig vorliegen, prüft die LDS die Genehmigungsfähigkeit unter Einbeziehung der Nationalparkverwaltung . Eine Entscheidung ergeht dann gegebenenfalls auch unter Auflagen - ein Kompromiss, mit dem einerseits der Dreh ermöglicht und andererseits der Schutz von Natur und Landschaft gesichert wird.

Abteilung Umwelt, Referat Naturschutz, Landschaftspflege

Früher als Jagdschädling und wegen seines Felles verfolgt und ausgerottet - heute als bedrohte Tierart geschützt: Luchs im Elbsandsteingebirge. ©Ondrej Prosicky/123RF.COM