Probestau: Sicherheit beim Hochwasserschutz an der Würschnitz

Rückhaltebecken Neuwürschnitz besteht den Funktionstest und geht in den Dauerbetrieb

Sachsen ist nah am Wasser gebaut. Das gilt nicht erst, seit die Braunkohlereviere um Leipzig und in der Lausitz sich nach Ende des Tagebaus in riesige Seenplatten verwandeln. Wie dicht beieinander liegende Adern durchströmen den Freistaat Flüsse, die auch überregional von Belang sind - die Neiße, die Spree, die Elbe, die Freiberger Mulde, die Zwickauer Mulde und die Weiße Elster. Hinzu kommt eine Vielzahl kleiner Fließgewässer, die oft mit hoher Geschwindigkeit von den im Süden Sachsens gelegenen Gebirgskämmen Wasser in Richtung Norden abführen.

Dieser Wasserreichtum ist ein Segen, birgt aber auch Gefahren. Sachsen ist in den vergangenen zwanzig Jahren mehrfach von außerordentlich zerstörerischen Hochwasserereignissen heimgesucht worden. Für den Freistaat waren das Anlass, den Hochwasserschutz deutlich aufzuwerten: Zwischen 2002 und 2017 sind im Freistaat rund 2,6 Milliarden Euro in Maßnahmen zum Hochwasserschutz – etwa für den Bau, die Ertüchtigung und die Rückverlegung von Deichen, den Bau von Hochwasserschutzmauern aber auch für die Errichtung von Hochwasserrückhaltebecken – investiert worden.

Die Landesdirektion Sachsen prüft und erteilt als Planfeststellungsbehörde für solche Maßnahmen landesweit das Baurecht. Aber damit nicht genug: Auch die Bauphase und der Dauerbetrieb von Hochwasserrückhaltebecken werden von der LDS begleitet und überwacht. Ein wichtiger Meilenstein für diese neuen Anlagen ist dabei der Probestau, der zwischen baulicher Fertigstellung und dem Dauerbetrieb der Anlage durchzuführen ist. Beim Probestau wird praktisch überprüft, ob die wasserwirtschaftliche Anlage auch ihrem Zweck entspricht. Die Referate „Oberflächenwasser, Hochwasserschutz“ der LDS begleiten diese Funktionsprobe jeweils intensiv.

Rückhaltebecken Neuwürschnitz Für das Rückhaltebecken Neuwürschnitz am Beuthenbach, südwestlich von Chemnitz gelegen, war der Zeitpunkt für den Probestau im November 2018 erreicht. Das Becken ist dafür vorgesehen, im Hochwasserfall den schnellen Abfluss von Gebirgswasser in Richtung Chemnitz zu bremsen und so dazu beizutragen, den Hochwasserschutz, vor allem für die unterhalb des Beckens entlang der Würschnitz liegenden Gemeinden bis hinein nach Chemnitz zu verbessern.

Beim Probestau sollte das Rückhaltebecken mit mindestens 75 Prozent des möglichen Vollstaus gefüllt werden. Das entspricht einer Wasserhöhe von knapp acht Metern am Durchlassbauwerk und ein Stauvolumen von rund 400.000 Kubikmetern. Der Probestau beginnt mit der Anstauphase (Beckenfüllung). Ist das Probestauziel erreicht, folgt die Verharrungsphase, bei der die Höhe des Stauspiegels konstant gehalten wird, und schließlich die Abstauphase genannte Beckenentleerung. Während des Probestaus erfolgt eine intensive Bauwerksüberwachung. Dazu gehören Lage- und Höhenmessungen, die Erfassung der Sicker- und Grundwasserstände, visuelle Kontrollen und das Festhalten der meteorologischen Verhältnisse. Die Art der Messungen und ihre Häufigkeit sind im Probestauprogramm festgelegt. Dieses Programm ist Teil der Unterlagen, die der Landesdirektion vor der Freigabe der Anlage zum Probestau vorzulegen sind.

Das Jahr 2018 war sehr trocken. Für einen Probestau in Neuwürschnitz fehlte einfach das Wasser. Erst ergiebige Schneefälle zum Jahresanfang 2019 und eine avisierte Tauperiode bewogen die Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen - Eigentümer und Betreiber der Anlage - dazu, mit dem Probestau zu beginnen. Der Einstau startete am 6. Februar 2019. Dabei sollte die Anlage gleichmäßig gefüllt werden, was Fingerspitzengefühl bei der Steuerung der Anlage erforderte. Das geplante Stauziel war nach zwölf Tagen erreicht. Nun begann die Verharrungsphase, die eine Woche andauerte. Auch in dieser Zeit lief die komplette messtechnische und visuelle Überwachung des Bauwerks weiter. Die Stauanlage zeigte keine gravierenden Auffälligkeiten. Sickerwassermengen und Grundwasserstände blieben im erwarteten Größenbereich. Auch die Verformungsmessungen ergaben keine Mängel.


Am 25. Februar 2019 konnte mit dem Abstau begonnen werden. Dieser wurde unter anderem auch dazu genutzt, die Wasserabgabe mittels Steuerung der Schützen zu optimieren. Auch eine „Leistungsfahrt“ mit kontinuierlicher Steigerung der Abgabemenge bis zu einer zeitlich begrenzten Wasserabgabe von bis zu fünf Kubikmetern pro Sekunde wurde erprobt. Dabei wurde die Eichung des Abgabepegels vorgenommen und überprüft, ob es bei einer solchen Wassermenge zu Schäden im Unterlauf kommt. Die begleitenden Kontrollen kamen zu dem Ergebnis, dass diese Wassermenge schadlos in den Unterlauf des Beuthenbaches und weiter in die Würschnitz eingeleitet werden kann. Nach fünf Tagen war das Becken dann wieder leer. Auch während der Abstauphase lief die Bauwerksüberwachung uneingeschränkt weiter.

Die Auswertungen der Messdaten des Probestaus fließen in die Betriebsvorschrift für das Hochwasserrückhaltebecken mit ein. Nach Vorlage und Prüfung der Gesamtdokumentation erstellt die Landesdirektion Sachsen den wasserrechtlichen Abnahmeschein.. Damit kann die Anlage in ihren Regelbetrieb gehen. Im Hochwasserfall wird es bei Zuflüssen von mehr als fünf Kubikmetern pro Sekunde durch das Schließen der Schütze zukünftig zu einem Einstau des Beckens kommen. Bis zum Vollstau werden in der Sekunde nur noch anderthalb Kubikmeter Wasser an den Unterlauf abgegeben.

Luftbild vom Rückhaltebecken Neuwürschnitz

Auch weiterhin wird die Landesdirektion diese Anlage – wie 125 weitere Stauanlagen im Freistaat Sachsen – nun regelmäßig auf ihre Gebrauchstauglichkeit und Funktionsfähigkeit zu überprüfen haben.

Abteilung Umwelt, Referat Oberflächenwasser, Hochwasserschutz

Auslassbauwerk und Tosmulde des Rückhaltebeckens Neuwürschnitz
© Landesdirektion Sachsen