Ewiges Ruherecht für zehntausende sowjetische Kriegstote in Sachsens Kommunen

Gemeinsame Arbeit für eine würdevolle Stätte der Erinnerung und Mahnung in Zeithain

Auf dem Gebiet Sachsens wurden etwa 150.000 Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges bestattet. Unter den 63.000 Toten mit ausländischer Staatsangehörigkeit sind Soldaten der Roten Armee sowie Kriegsgefangene und Zivilisten aus der ehemaligen Sowjetunion die größte Gruppierung.

Die Opfer der Weltkriege haben ein ewiges Ruherecht. Ihre Gräber und Grabstätten sind dauernd zu erhalten. Dazu hat sich die Bundesrepublik Deutschland mit der Unterzeichnung der Genfer Konventionen verpflichtet. Der Bund hat diese Aufgabe im Gräbergesetz geregelt, den Vollzug den Ländern übertragen und erstattet den Ländern die Aufwendungen in jährlichen Pauschalbeträgen.

In Sachsen gilt das Gräbergesetz seit 1993. Der Freistaat hat die Feststellung und Erhaltung der Gräber und Grabstätten im Sinne des Gräbergesetzes den Kommunen übertragen. Die Landesdirektion Sachsen verwaltet u. a. die vom Bund für diese Aufgaben zur Verfügung gestellten Mittel und leitet sie projektbezogen für die Errichtung, Instandhaltung, Instandsetzung und Pflege der Gräber und Grabstätten der Kriegstoten an die Kommunen weiter.

In Sachsen gibt es mehr als 900 Kriegsgräberstätten in 335 Kommunen. Sowjetische Kriegstote sind auf 223 Friedhöfen im Freistaat bestattet.

Eine der größten Kriegsgräberstätten Deutschlands – mit ausschließlich sowjetischen Kriegstoten – liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Zeithain, nördlich von Riesa, direkt an der Bahnstrecke Dresden – Berlin. Während des Zweiten Weltkrieges befand sich dort ein Kriegsgefangenenlager, in dem etwa 30.000 sowjetische Kriegsgefangene ums Leben kamen. Die Toten wurden auf einer Gesamtfläche von 48.000 Quadratmeter – verteilt auf vier Friedhöfe in der Umgebung – bestattet.  

Im Ergebnis jahrelanger Recherchen konnten mehr als 23.000 Namen von Toten des Kriegsgefangenenlagers Zeithain ermittelt werden.  Ab 2009 entwickelten die Botschaft der Russischen Föderation, die Gemeinde Zeithain und die Stiftung Sächsische Gedenkstätten in enger Kooperation mit der Landesdirektion Sachsen eine Konzeption für die Wiederherrichtung der Friedhofsstätten in Zeithain.  Von 2013 bis 2015 wurden die Kriegsgräberstätten umgestaltet. Die recherchierten Namen wurden dabei auf Alu-Dibond-Schrifttafeln verewigt.  

Rechtzeitig zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges konnten so die Zeithainer Kriegsgräberstätten unter Mitwirkung des ehemaligen Botschafters der Russischen Föderation, Wladimir M. Grinin, und  des damaligen sächsischen Ministerpräsidenten, Stanislaw Tillich,  eingeweiht werden.

Die Aufwendungen für die Erhaltung aller Kriegsgräber im Freistaat Sachsen  belaufen sich gegenwärtig  auf 2,1 Mio. Euro jährlich. Die aktuelle Projektliste umfasst Maßnahmen bis ins Jahr 2021, darunter größere in Freiberg und Leipzig. Hinzukommen können Projekte, die durch Vandalismus oder Schändungen notwendig werden.

Die nun schon langjährig bestehende, ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen der Landesdirektion Sachsen, der Botschaft der Russischen Föderation, dem Landesverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und den sächsischen Kommunen  bildet die Grundlage für die erfolgreiche Erledigung dieser Pflichtaufgabe aus dem Gräbergesetz .

Ort des Gedenkens: Bei Zeithain befindet sich eine der größten Kriegsgräberstätten in Deutschland

Ewiges Ruherecht: Für 23 000 der insgesamt 30 000 sowjetischen Kriegstoten aus dem ehemaligen Gefangenenlager bei Zeithain konnten die Namen ermittelt werden

Auf Aluminium-Dibondtafeln sind die Namen und Lebensdaten der im Kriegsgefangenenlager ums Leben gekommenen Sowjetsoldaten festgehalten

Abteilung Inneres, Soziales und Gesundheit

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