Entgiftung für das wässrige Erbe des sächsischen Uranbergbaus

LDS genehmigt Wasserreinigungsanlage für die Trockenlegung des ehemaligen Schlammteiches der WISMUT bei Zwickau

Helmsdorf bei Zwickau – noch nie gehört? Nun, das ist kein Wunder. Der Ort ist längst Geschichte, ein Opfer des Uranbergbaus, den die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft WISMUT nach dem Zweiten Weltkrieg an mehreren Stellen im sächsischen Erzgebirge und anderen Regionen betrieb.

Helmsdorf, ein kleines Dorf mit wenigen Dutzend Einwohnern, wurde 1958 zwangsentsiedelt und vollständig abgerissen. Anschließend errichtete die WISMUT dort auf etwa 200 Hektar Fläche ein neues riesiges Becken für rund 50 Millionen Kubikmeter Tailings. Tailings sind Rückstände aus der Uranaufbereitung. Es handelt sich um grau-schwarze, feinkörnige radio-aktive Schlämme, die in diesem Fall als Reststoffe bei der Uranerzaufbereitung im nahegelegenen Aufbereitungsbetrieb Crossen anfielen.

Das als „Schlammteich“ bekannte Rückstandsbecken – oder fachlich korrekt: die Industrielle Absetzanlage (kurz: IAA)  Helmsdorf - glich mit der über den Tailings entstandenen Wasserfläche, den „Stränden“ und den darauf schwimmenden Enten einem großen See. Eine trügerische Idylle, denn dieser See war radioaktiv belastet und mit Wind und Grundwasser verteilte sich diese Belastung auch in der Umgebung der IAA weiter.

Die Natur kehrt zurück: Blutströpfchen auf einer DistelMehr als 25 Jahre nach Einstellung des Bergbaus ist davon nun nichts mehr zu sehen und zu spüren: Dort, wo sich einst Helmsdorf und später dann die IAA befanden, breitet sich jetzt eine sanftwellige Hügellandschaft aus. Auch wenn die Formulierung inzwischen etwas abgenutzt klingen mag – in Helmsdorf ist eine wieder aufgeblühte Landschaft zu besichtigen. Die positive Umgestaltung des Areals im Zuge der Sanierung der IAA ist durchaus mit der Neugestaltung der mittelsächsischen und Lausitzer Braunkohlereviere vergleichbar. Des Bergmanns Seele mag dabei zwar etwas Wehmut beschleichen – sind doch die Zeugen einer bergmännischen Tätigkeit, wie zum Beispiel markante Halden zum großen Teil verschwunden. Vorrang aber hat der Schutz des Menschen vor radiologischen Belastungen und Schwermetallkontaminationen, die mit den Hinterlassenschaften des WISMUT-Bergbaus verbunden waren.

Um diesen Schutz von Mensch und Natur dauerhaft garantieren zu können, sind auch nach Abschluss der Oberflächensanierung noch Langzeitaufgaben zu lösen. Diese betreffen nicht nur die Pflege der entstandenen Landschaft, sondern vor allem die Wasserbehandlung. Der Grund: Es war und ist schlichtweg nicht möglich, die riesigen Mengen der Tailings komplett wasserfrei zu halten. Durch den ihnen ohnehin innewohnenden Wassergehalt, durch Niederschläge und durch den unvermeidbaren Zustrom von Grundwasser werden zwangsläufig auf lange Zeit Schadstoffe gelöst und transportiert.

Im Rahmen der Sanierung wurde deshalb in und um die IAA Helmsdorf ein System an Dränagen und Wasserfassungen aufgebaut, um alle ab- und durchfließenden Wässer zu fassen. Die kontaminierten Wässer werden dann vor der Einleitung in die Zwickauer Mulde gereinigt. Das Schadstoffpotenzial und hierbei insbesondere Uran und Arsen werden so weit reduziert, dass die nachfolgende Einleitung in die Zwickauer Mulde keine Gefahr für die Umwelt mehr darstellt.

Mittlerweile ist die bereits seit 1995 im Helmsdorf betriebene Wasserbehandlungsanlage aufgrund des künftig verringerten Wasseranfalls für die anstehenden Langzeitaufgaben zu groß dimensioniert, um effektiv betrieben werden zu können. Daher beabsichtigt die Wismut GmbH ab 2019 eine neue, kleinere und nahezu vollautomatische Anlage zu errichten. „Klein“ ist dabei relativ zu sehen: Die Anlage soll im Normalbetrieb stündlich 30 – 60 Kubikmeter Wasser von Uran und Arsen befreien. Das Investitionsvolumen beträgt dabei mehrere Millionen Euro. Gut angelegtes Geld. Das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren zum Bau und Betrieb der Anlage wurde - unter Beteiligung anderer Behörden - in der Landesdirektion Sachsen (LDS) geführt.

Dieses Verfahren verlief aus Sicht der LDS nahezu reibungslos. Nach einigen Vorgesprächen erfolgte im Mai 2017 die Antragstellung durch die WISMUT und im März 2018 die Bescheiderteilung durch die LDS. Bei einem Verfahren dieser Größe ist das ein sehr respektabler Zeitraum. Der Bescheid beinhaltet neben Genehmigungen und Erlaubnissen auch zahlreiche Berichts- und Überwachungspflichten – sowohl für die WISMUT wie auch für die LDS.

Die Langzeitaufgaben der WISMUT-Sanierung und hierbei insbesondere die Wasserbehandlung, die gegenwärtig mindestens bis in das Jahr 2045 konzipiert sind, erregen in der Öffentlichkeit kaum großes Aufsehen. Für eine Branche wie den Bergbau ist das ein Fortschritt, denn über eine lange Zeit hinweg war sie in ihrem Umfeld vor allem als ständige Last und Gefahr wahrgenommen worden.
 

Ein neu angelegter See am Rande der ehemaligen Absetzanlage Helmsdorf als Ersatzhabitat für Fauna und Flora

Uranerzschlämme - sogenannte Tailings - blieben als strahlende Erblast der WISMUT nach dem Ende des Bergbaus bei Zwickau

Sanierung im Großformat: 200 Hektar umfasste die Fläche der Industriellen Absetzanlage Helmsdorf

Nach Abschluss der Sanierung fassen aufwändige Anlagen Sicker- und Oberflächenwasser

Der Bergbau ist vorbei, doch die Landschaft trägt seine Spuren: Sickerwasserfassung der ehemaligen Absetzanlage Helmsdorf

Abteilung Umwelt

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