Viel mehr als Taschenmesser, Uhren und Käse

Die „Schweizer Literaturtage in Sachsen“ – Ein cleveres Projekt mit großem Gewinn für alle Beteiligten

Ein vertrautes Bild, wenn eine internationale Buchmesse endet: Die Aussteller räumen ihre Stände aus, verpacken die Exponate, Logistikunternehmen haben gut damit zu tun, die gerade neu erschienenen Bücher ins Herkunftsland zurückzufahren. Aber gibt es da vielleicht eine andere, bessere Lösung? Wie wäre es, wenn die Bände im Messeland verbleiben und die Regale kommunaler Bibliotheken füllen würden?

Die Mitarbeiter der Staatlichen Fachstelle für Bibliotheken in Dresden traten mit dieser Idee an den Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband (SBVV) heran – und hatten fortan einen großzügigen Partner. Denn die Schweizer waren sofort bereit, die bei Buchmessen in Deutschland ausgestellten Medien öffentlichen Bibliotheken in Sachsen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Auch aus logistischen Gründen einigten sich die neuen Partner darauf, das Projekt auf den „Ertrag“ der Leipziger Buchmesse zu beschränken, bei der jedes Jahr zwischen 40 und 50 Schweizer Verlage vertreten sind.

Um dem Ganzen einen würdigen Rahmen zu geben, aber auch, um der Spendenaktion die gebührende öffentliche Aufmerksamkeit zu schaffen, wurden die „Schweizer Literaturtage in Sachsen“ begründet, die 1999 zum ersten Mal und seither jährlich stattfinden. Als Partner und Förderer sind inzwischen auch die Schweizerische Botschaft in Berlin, das Schweizerischen Konsulat in Sachsen und der Schweizerisch-Deutschen-Wirtschaftsclub e.V. (SDWC) in Dresden mit im Boot.

Die Veranstaltung, die die Übergabe der Buch- und Medienspende an ausgewählte Bibliotheken in Sachsen mit Lesungen von Schweizer Autoren und Autorinnen, aber auch mit Treffen von Schweizer Wirtschaftsvertretern mit sächsischen Kommunalpolitikern verbinden, ist ein Gewinn für alle Beteiligten. Jede der besuchten kommunalen Bibliotheken ist danach um mehrere hundert Medien reicher, die beteiligten Schweizer Autoren und Illustratoren können sich dem lesehungrigen deutschen Publikum in den Bibliotheken vorstellen und die Vertreter der Schweizer Wirtschaft können in entspannter Atmosphäre das Gespräch mit sächsischen Bürgermeistern pflegen.

Mit dem literarischen Ereignis stellt sich die Schweiz als Buch- und Kulturland vor und will damit ein Image fördern, das sich nicht auf Schokolade, Käse, Uhren und Taschenmesser beschränkt.

Organisator bei der Landesdirektion Sachsen ist inzwischen die aus den ehemals drei Fachstellen für Bibliotheken gebildete Landesfachstelle für Bibliotheken im Referat 26. Die Landesfachstelle bestimmt jährlich gemeinsam mit den SDWC die gastgebende sächsische Region und die konkreten Bibliotheken, die sich auf die Medienschenkung aus der Schweiz freuen dürfen. In Kooperation mit diesen Bibliotheken und den anderen Partnern bereitet die Fachstelle dann die Veranstaltungen vor.
 
Obligatorischer Fototermin, Freude bei allen Beteiligten:Nach Messeabschluss  übergibt eine Schweizer Delegation in der Markkleeberger Stadtbibliothek neuen Lesestoff für die hiesigen Bücherwürmer
Für die ausgewählten Bibliotheken und ihre Städte ist die Gastgeberrolle für die „Schweizer Literaturtage in Sachsen“ stets als Anerkennung für hervorragende Leistungen zu bewerten. Bei diesem Projekt wird übrigens bewusst auf eine Einbeziehung der Großstädte verzichtet. Damit tragen die Initiatoren dem Umstand Rechnung, dass in Mittel- und Kleinstädten, aber auch in den Dörfern die vorhandenen Bibliotheken die am meisten besuchten Kultureinrichtungen sind.

In den vergangenen 19 Jahren waren 21 Schweizer Autoren und Autorinnen und Illustratoren zu insgesamt 65 Veranstaltungen und Lesungen zu Gast in 51 ausgewählten öffentlichen Bibliotheken im Freistaat Sachsen. Zu den Schweizer Gästen gehörten unter anderem  Peter Stamm, Brigitte Schär, Ullrich Knellwolf, Gabriele Alioth, Petra Ivanov, Silvio Huonder, Heiri Schmid und Daniel Frick.

Sunil MannFür die Jahre 2018 bis 2020 vertritt Sunil Mann bei den „Schweizer Literaturtagen in Sachsen“ die Literatur- und Buchszene seines Heimatlandes. Zum Auftakt reiste er in und durch die Leipziger Region und las in den Stadtbibliotheken Markkleeberg, Delitzsch und Schkeuditz unter anderem aus seinem Kriminalroman „Gossenblues“.

2019 gastieren die dann bereits 20. „Schweizer Literaturtage in Sachsen“ vom 08. April bis 12. April  in der Chemnitzer Region,  2020 werden für die  21. „Schweizer Literaturtage“ Bibliotheken in der Dresdner Region ausgewählt.

"Auftritt Schweiz" bei der Leipziger Buchmesse 2018 - Was hier in den Regalen steht, wird seine Leser bald in sächsischen Bibliotheken finden