Den Kesseldruck beherrschbar halten

Der staatliche Arbeitsschutz erlaubt und kontrolliert überwachungsbedürftige Anlagen

Die Geschichte der überwachungsbedürftigen Anlagen reicht zurück bis ins Zeitalter der industriellen Revolution, als zunehmend Dampfkessel und Dampfmaschinen zum Einsatz kamen. Einerseits waren sie Voraussetzung für die industrielle Revolution, andererseits waren sie enorme Gefahrenquellen im Arbeitsprozess. Immer wieder kam es zu Explosionen.
 
Derartige Explosionen waren damals ein gefürchteter Bestandteil des Alltags. Als häufige Ursachen wurden unzureichende theoretische Kenntnisse der Hersteller bei Materialkunde und Wärmelehre, unzulängliche Funktion von Sicherheitseinrichtungen, mangelnde Wartung der Kessel oder auch die falsche Bedienung der Anlagen festgestellt. Um Unfälle zu vermeiden, wurde es daher nötig, staatlicherseits Anforderungen an diese Anlagen zu regeln und für eine Überwachung der Anlagen zu sorgen.

Ab 1850 verordnete Sachsen die polizeiliche Beaufsichtigung aller Dampfkessel; 1872 trat in Sachsen die „Verordnung die Fabriken und Dampfkessel-Inspektionen betreffend“ in Kraft. Das war die Geburtsstunde der sächsischen Gewerbeaufsicht.

Dampfkessel und Druckbehälter sind auch heute noch potentiell gefährlich. Wohl hat sich die Sicherheitstechnik im Laufe der Zeit in ganz erheblichem Maße weiterentwickelt. Nach wie vor sind aber Schäden an derartigen Anlagen zu verzeichnen, hervorgerufen durch unsachgemäße Verwendung, Fehlbedienung, fehlende Prüfungen, unzureichende Wartung und Instandhaltung oder auch technische Mängel.

So ereignete sich zum Beispiel 1992 mit der Explosion eines Dampfkessels in einem Unternehmen in Sachsen ein besonders tragischer Unfall, bei dem der Kesselwärter tödlich verunglückte. Die Explosion riss auch das Gebäude, in dem der Dampfkessel untergebracht war, völlig weg. Unfallursache waren fehlende Beaufsichtigung, Wassermangel und eine unzuverlässige Wassermangelsicherung.
2016 kam es an einem Wasserkessel zu einem weiteren spektakulären Schadensfall. Durch nicht bestimmungsgemäße Beaufschlagung des Kessels mit Druckluft riss dieser fast vollständig auf. Durch die Druckwelle wurden Personen verletzt und das Gebäude beschädigt.

Die Vorfälle zeigen die weiter bestehende Notwendigkeit, Dampfkessel und Druckbehälter behördlich zu überwachen. Die genannten Anlagen werden im Produktsicherheitsgesetz als „überwachungsbedürftige Anlagen“ eingestuft. Aber nicht nur diese Anlagen sind überwachungsbedürftig, sondern auch Lageranlagen und Rohrleitungen für bestimmte Medien mit gefährlichen Eigenschaften. Dazu kommen Tankstellen, Füllanlagen für Druckgase, Gasfüllanlagen wie etwa Autogastankstellen für Flüssiggas und Erdgas sowie Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen. Für all diese Anlagen regelt die Betriebssicherheitsverordnung die sichere Nutzung und die Überwachung.

Die Aufsicht über die Errichtung und den Betrieb dieser Anlagen ist eine Aufgabe des Referates „Betriebssicherheit“ in der Abteilung Arbeitsschutz in der Landesdirektion Sachsen (LDS). Besonderes Augenmerk gilt dabei einer Teilgruppe der überwachungsbedürftigen Anlagen: den erlaubnisbedürftigen Anlagen. Dampfkesselanlagen mit erhöhtem Gefahrenpotential, Füllanlagen für Druckgase, Tankstellen, Füllstellen und Lageranlagen für leicht und extrem entzündbare Flüssigkeiten sowie Flugfeldbetankungsanlagen unterliegen der Erlaubnispflicht nach Betriebssicherheitsverordnung. Diese Erlaubnisse erteilt das Referat Betriebssicherheit der LDS.

Zur behördlichen Beobachtung überwachungsbedürftiger Anlagen gehört, dass die erforderlichen Anlagenprüfungen beaufsichtigt werden. Dabei kann die LDS als zuständige Behörde auf eine bundesweite Datenbank zurückgreifen, in der für Sachsen weit mehr als 100.000 Anlagen erfasst sind. Darüber hinaus überwacht die LDS besonders gefährliche Anlagen im Zuge der Erlaubniserteilung sowie bei Vor-Ort-Kontrollen. Allein 2017 hat die LDS 26 Erlaubnisse für die Errichtung und den Betrieb von neuen erlaubnisbedürftigen Anlagen und 29 Erlaubnisse für die Änderung bestehender erlaubnisbedürftiger Anlagen erteilt.

Aufgerissene Stahlwandung eines Wasservorratsbehälters – Folgen einer missbräuchlichen Verwendung. Foto: Fa. Agrar Auligk

Erhebliches Gefahrenpotential: Geborstener Druckbehälter auf einem Zementsilofahrzeug.