Auf gute Nachbarschaft

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den tschechischen Grenzregionen

Präsident Dietrich Gökelmann und der Regionspräsident der Region Ústí Oldřich Bubeníček beim Treffen im August 2016 mit Besichtigung der Braunkohle-Sanierungsgebiete in der Lausitz.In einer Zeit, in der Konflikte in vielen Teilen der Welt eskalieren, ist es gut, seinen unmittelbaren Nachbarn zu kennen, zu schätzen und ihm vertrauen zu können. Aber nicht nur deshalb ist die sächsisch-tschechische Zusammenarbeit derzeit ein wichtiges Thema. Vielmehr feierte sie erst kürzlich ihr 25. Jubiläum: Am 5. Dezember 1992 unterzeichneten der Freistaat Sachsen und die Tschechische Republik eine gemeinsame Erklärung über die Zusammenarbeit. Seither entwickeln sich nützliche Kooperationen und Projekte zwischen Partnern verschiedenster Ebenen auf beiden Seiten der Grenze. Auch die Landesdirektion Sachsen (LDS) pflegt freundschaftliche Kontakte zu den drei Nachbarregionen Reichenberg/Liberec, Karlsbad/Karlový Varý und Aussig/Ústí.

Um dem einen verbindlichen Rahmen zu geben, hat die LDS mit allen drei angrenzenden tschechischen Regionen Kooperationsvereinbarungen unterzeichnet. Jährlich finden Treffen zwischen den Repräsentanten der LDS und den Regionalämtern der benachbarten Regionen statt. Im Vordergrund steht dabei der Austausch über aktuelle Themen, die für die Grenzregionen wichtig sind. Gleichzeitig lernen sich die Kollegen kennen – sowohl als Ansprechpartner für ihre jeweiligen Fachthemen als auch persönlich. Das erleichtert es für alle Beteiligten, konkrete Einzelaspekte zu vertiefen und den fachlichen und persönlichen Draht gewinnbringend für alle Seiten zu nutzen.

Ein Beispiel: Ende Juli vergangenen Jahres trafen sich tschechische und sächsische Experten zum Austausch über die Voraussetzungen für den Erfolg von Technologie- und Gründerzentren. Hier verfügt Sachsen bereits über jahrelange gute Erfahrungen, an denen die Kollegen aus Liberec teilhaben wollen. Sie planen, selbst ein solches Zentrum in ihrer Region auf den Weg zu bringen.

Präsident Dietrich Gökelmann mit der Präsidentin der Region Oberfranken Heidrun Piwernetz und Jaroslav Bradáč als Vertreter der Region Karlsbad beim Treffen im August 2017 im Rathaus der Stadt Zwickau. Foto: Landesdirektion DresdenDie tschechische Delegation wurde zunächst im „TechnologieZentrumDresden Standort Süd“ von dessen Geschäftsführer Dr. Bertram Dressel empfangen. Der Manager ist gleichzeitig Präsident des Bundesverbandes Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren e.V. – also ein ausgewiesener und anerkannter Fachmann.

Dass diese – in Tschechien treffend als „Business-Inkubatoren“ bezeichneten – Zentren sowohl für den Technologietransfer und Innovation als auch für Unternehmensgründungen und Unternehmensentwicklungen eine enorme Bedeutung haben, darüber waren sich die Teilnehmer natürlich grundsätzlich schon vor ihrem Treffen einig. Doch sowohl Dr. Dressel als auch die Mitarbeiter der LDS konnten – quasi aus dem Arbeitsalltag – noch interessante Details über wichtige Rahmenbedingungen für den Erfolg solcher Zentren vermitteln. Nicht zuletzt zählen dazu auch die Fördermöglichkeiten im Freistaat Sachsen, unter anderem vollzogen durch die LDS.

Im Anschluss stattete die Experten-Gruppe dem noch jungen „F1 Freitaler Technologiezentrum“ einen Besuch ab. Dort wartete unter anderem auch der Architekt des Zentrums, der bei einem Rundgang die baulichen Besonderheiten für ein zugleich funktionales, wie auch attraktives und zukunftssicheres Gebäude vorstellte.

Die LDS hofft, mit dem Austausch einen kleinen Beitrag dazu geleistet zu haben, dass die Nachbarn aus Liberec ihre Pläne für die Errichtung eines „Business-Inkubators“ umsetzen können: Eine wirtschaftlich starke Grenzregion ist für beide Seiten ein Gewinn.

Fachlicher Austausch zwischen der Landesdirektion Sachsen und der Regionsbehörde Liberec sowie Bürgermeistern aus Sachsen und Liberec im November 2017. Foto: Landesdirektion Dresden

Neben der eigenen Kontaktpflege unterstützt die LDS auch Vereine und kommunale Träger bei der Umsetzung von grenzüberschreitenden Projekten. Der Freistaat Sachsen stellt dafür im Rahmen der Förderrichtlinie „Internationale Zusammenarbeit“ Mittel zur Verfügung.