Die unterschätzte Gefahr

Auch nach 25 Jahren Asbestverbot ist das Thema nicht vom Tisch

Verwitterte Sokalit-Platte – bei Abriss  und Bauarbeiten kommt immer wieder Asbest zum Vorschein. Foto: Landesdirektion Sachsen1993 wurde der Einsatz von asbesthaltigen Materialien aufgrund der krebserzeugenden Wirkung in Deutschland verboten. Heute sind nur noch Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten unter Berücksichtigung der strikten Vorgaben des Arbeitsschutzes erlaubt. Seit 2005 gilt das Verbot europaweit. Ein weltweites Verbot der Herstellung und Verwendung von Asbest ist jedoch noch nicht in Sicht. 2014 lag die Weltproduktion von Asbest bei etwa zwei Millionen Tonnen. Gefördert und genutzt wird es hauptsächlich noch in so genannten Schwellenländern wie China, Indien, Russland und Brasilien. Durch den Import von Fertigprodukten können Erzeugnisse, die Asbest enthalten, auch wieder in die EU gelangen. So wurde zum Beispiel vor einigen Jahren die Verwendung asbesthaltiger Materialien in Thermobehältern festgestellt.

Die Abteilung Arbeitsschutz bei der Landesdirektion Sachsen (LDS) überwacht und kontrolliert den Umgang mit Asbest im Freistaat Sachsen. Wichtig zu wissen: Durch das Herstellungs- und Verwendungsverbot ist die Nutzung von Asbest und asbesthaltigen Materialien auch für Privatpersonen verboten. Überdeckungsarbeiten auf Asbestmaterialien oder der nicht fachgerechte Abbruch stellen sogar Straftatbestände dar. Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten sind in jedem Fall bei der Arbeitsschutzbehörde anzeigepflichtig, wobei die beauftragten Firmen nachweisen müssen, dass sie die personellen und sicherheitstechnischen Voraussetzungen erfüllen.

Was macht Asbest so gefährlich?

Entfernung von Sokalit-Platten. Foto: Landesdirektion SachsenDer Stoff ist ein Naturprodukt, ein faserförmiges Mineral. Diese mineralische Zusammensetzung verhindert, dass Asbestfasern und Asbeststäube, die eingeatmet werden, zersetzt werden können. Asbestfasern von nur wenigen Mikrometern Größe und einem Längen-Durchmesserverhältnis von 3 zu 1 sind dabei besonders gefährlich. Solche Fasern sind klein genug, um in die Lungenbläschen zu gelangen. Sie können Entzündungen und Krebserkrankungen insbesondere in der Lunge, dem Bauch- und Brustfell hervorrufen. Die lange Latenzzeit bei den Krebserkrankungen von 10 bis 40 Jahren trägt wohl dazu bei, dass die Gefahr noch immer unterschätzt wird. In Deutschland sterben jährlich noch etwa 1500 Menschen an den Folgen von Asbest.

Wie entstehen Asbeststäube und wo sind sie heute noch zu finden?

Die größte Gefahr geht von Asbestprodukten aus, die einen hohen Asbestgehalt sowie eine geringe Rohdichte haben, bei denen also der Asbest als schwach gebundenes Material vorliegt. Das ist zum Beispiel bei Spritzasbest, Leichtbauplatten (z. B. Sokalit) oder Dichtschnüren der Fall.

Schon bei geringer mechanischer Beanspruchung – Erschütterung, Reibung, aber auch durch Alterung dieser Materialien – können große Mengen von Asbestfasern freigesetzt werden. Bei sogenannten fest gebundenen Asbestprodukten wie Asbestzementplatten oder Rohrleitungen können Asbestfasern vor allem bei starker mechanischer Belastung – brechen, bohren, schneiden, schleifen  – entstehen.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin schätzte 2016, dass sich noch ca. 80 Prozent der ursprünglich verwendeten asbesthaltigen Bauteile im heutigen Gebäudebestand befinden. Daher ist bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten an und in Gebäuden Vorsicht geboten. Vor Beginn dieser Arbeiten muss ermittelt werden, welche Materialien im Gebäude verbaut wurden. Bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten sind dann umfangreiche sicherheitstechnische und personelle Schutzmaßnahmen für Beschäftigte und Dritte zu veranlassen.

Mit dem Auftauchen von Asbest konfrontierten Unternehmen, aber auch Einzelpersonen steht die Abteilung Arbeitsschutz der LDS beratend zur Seite.

Unterdruckhaltegerät mit Filteraggregaten auf einer ordnungsgemäß abgeschotteten Asbestbaustelle. Foto: Landesdirektion Sachsen

Chrysotil (Weißasbest) in einer Materialprobe (Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme). Foto: Landesdirektion Sachsen