Hochmodern im spätgotischen Speicher

Unterstützung von der Landesdirektion für die Modernisierung der Freiberger Stadtbibliothek

Nein, ein Palast war es wirklich nicht, in dem die Stadtbibliothek Freiberg bis zum September 2015 untergebracht war: 42.000 Medien auf 215 Quadratmetern, die Ausstattung alt und abgenutzt, ein behindertengerechter Zugang nicht vorhanden. Wenn Familien die Bibliothek nutzen wollten, mussten sie sich trennen: Kinder- und Erwachsenenbibliothek befanden sich in unterschiedlichen Gebäuden.

Im Zentrum von Freiberg: Die Stadtbibliothek im historischen Kornhaus. Foto: Rene Jungnickel, Freiberg

Ideen für eine Neugestaltung und den Umzug in das historische Kornhaus der Stadt Freiberg gab es längst. Und als die Landesfachstelle für Bibliotheken bei der Landesdirektion Sachsen (LDS) 2009 in Kooperation mit dem Praxisinstitut Bremen das Projekt „Fit für die Zukunft – Entwicklung moderner Zukunftskonzepte für Bibliotheken in Sachsen“ startete, gehörte die Stadtbibliothek Freiberg zu den ersten Teilnehmern. Für dieses Projekt übernahm die Landesfachstelle den Part der konzeptionellen bibliothekarischen Beratung.

Eine Vision wurde geboren

Am Anfang stand eine gründliche Umfeldanalyse. Auf deren Basis wurden die Aufgabenschwerpunkte neu definiert und eine Art Lastenheft entwickelt. Neben einem aktuellen, attraktiven Medienangebot wurde dabei besonderes Augenmerk auf eine hohe Aufenthaltsqualität gelegt. Künftige Besucher sollen barrierefreien Zugang haben, sich wohlfühlen, lesen, spielen und mit Freunden treffen. Dafür wurden gemütliche Leseecken, ein Lesecafé und ein großzügiger Veranstaltungsraum vorgesehen. Technisch gut ausgestattete Lerninseln wurden entworfen, um effektive Gruppenarbeit und das gemeinsame Erledigen der Hausaufgaben  möglich zu machen. Internetzugänge und Informationsterminals sollten zusätzliche Recherchemöglichkeiten bieten und der Einsatz moderner Identifizierungstechnologie es künftig ermöglichen, Medien selbst zu verbuchen und zurückzugeben – an speziellen Rückgabeboxen sogar auch außerhalb der erweiterten Öffnungszeiten. Diese Technologie hatte gleichzeitig die Rückbuchung und die Sicherung der Medien zu übernehmen.

Was zunächst nach einer fast kühnen Idee, auf jeden Fall aber einer großen Aufgabe klang, wurde schließlich verwirklicht – auch wenn bis zur endgültigen Umsetzung noch sechs Jahre vergehen sollten. Das Architekturbüro BBF Freiberg wurde mit der baulichen Planung betraut. Die Stadt Freiberg finanzierte das Projekt anteilig mit 1,4 Millionen Euro. Rund 4,85 Millionen Euro wurden aus dem Bund-Länder-Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ für die Gebäudesanierung und -modernisierung bereitgestellt.

Vom Korn- zum Wissensspeicher: Die modernen Innenräume der Bibliothek machen Geschichte erlebbar.

Die Landesfachstelle für Bibliotheken unterstützte die Adaption der Stadtbibliothek im historischen Kornhaus, einem spätgotischen Speicherbau. Eine Besonderheit: Erstmalig wurden in Sachsen Regale eingebaut, die über zwei Etagen reichen und ein „intelligentes“ Rückgaberegal integrieren, das über eine Schnittstelle zur Buchungssoftware die Rückbuchung und Sicherung zurückgegebener Medien übernimmt. Nach insgesamt fünfjähriger Sanierungszeit konnte die Stadtbibliothek im September 2015 schließlich neu eröffnet werden