Ahoi und weiter Uferblick

Die Landesdirektion Sachsen unterstützt den Strukturwandel in der Lausitz

Wer 1990 gesagt hätte, dass die Sächsische Lausitz ein Eldorado für den Wassersport und die Schifffahrt werden würde, hätte wohl ungläubige Blicke geerntet. Damals war die Landschaft geprägt vom Braunkohlebergbau – 19 Tagebaue hatten deutliche Spuren hinterlassen. Die Eingriffe durch die Braunkohleförderung in den Naturhaushalt waren gigantisch: Riesige Halden und bis zu 100 Meter tiefe ehemalige Kohlegruben bestimmten das Bild des Reviers. Die Absenkung des Grundwasserspiegels hatte gravierende Veränderungen des Wasserhaushalts zur Folge.

Heute wird nur noch in zwei Tagebauen in Nochten und Reichwalde Kohle gefördert, alle anderen wurden zwischenzeitlich stillgelegt.
Damit stand die Region vor einem Strukturwandel. Eine Braunkohlefolgelandschaft musste konzipiert und darin neue, zukunftsträchtige Wirtschaftsstrukturen etabliert werden. Defizite der Infrastrukturausstattung der Region mussten überwunden, neue Arbeitsplätze zur Sicherung der sozialen Struktur geschaffen werden.

Die mit den Sanierungsrahmenplänen getroffene Entscheidung, die ehemaligen Tagebaue zu fluten, gab den Weg vor: die wirtschaftliche Ausrichtung der Region auf den Schwerpunkt Erholungstourismus und Wassersport. Um die touristische Anziehungskraft der entstehenden Seen noch zu erhöhen, haben die Länder Sachsen und Brandenburg sich zudem für eine Verkettung der Seen durch schiffbare Verbindungen entschieden.

Mit der Umsetzung dieser Vorgaben entsteht in der Lausitz Europas größte künstliche Seenlandschaft. Allein auf dem Gebiet des Freistaates Sachsen sind das mehr als 40 Tagebaurestseen mit einer Gesamtfläche von gut 14.000 Hektar.

In diesen Prozess war das ehemalige Regierungspräsidium Dresden und ist die heutige Landesdirektion Sachsen (LDS) von Anfang an in vielfältiger Weise eingebunden. Über erforderliche behördliche Genehmigungen hinaus gehört die umfassende Beratung der betroffenen Kommunen zum Tagesgeschäft. Beispielsweise geht es dabei um die Erarbeitung von Regionalentwicklungskonzepten oder um Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen.

Nach der Kohle kommt das Wasser

Neben der bergrechtlichen Sanierung der Tagebaue bestand eines der wichtigsten Sanierungsziele in der Flutung der verbliebenen Tagebaurestlöcher und in der Wiederherstellung eines sich weitgehend selbst regulierenden Wasserhaushaltes. Der ist Voraussetzung für eine ökologisch nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Gestaltung der Bergbaufolgelandschaft.

Damit die Flutung und Herstellung der Tagebaurestseen rechtlich wie fachlich abgesichert auf den Weg gebracht werden kann, sind im Vorfeld umfangreiche Planfeststellungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung nötig. In diesen Verfahren, für die die LDS zuständig ist, werden alle wesentlichen wasserwirtschaftlichen Parameter für die zukünftigen Seen von der Flutung, der Einbindung in die Fließgewässer, der Herstellung der Gewässergüte, dazu erforderlicher technische Anlagen bis hin zur Ufergestaltung und späteren Nutzung festgelegt. Neben komplizierten geologischen Gegebenheiten, hydraulischen Erfordernissen sowie umweltrechtlichen Anforderungen sind dabei auch kommunale Entwicklungswünsche und Interessen der Öffentlichkeit in Einklang zu bringen. Geschäftsprinzip ist es, die dabei auftretenden Konflikte möglichst einvernehmlich einer Lösung zuzuführen. Aufgrund ihrer Komplexität dauert es bis zum Abschluss der Verfahren oft mehrere Jahre.

Bisher hat die obere Wasserbehörde in der LDS mehr als 100 wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren einschließlich Planänderungsverfahren erfolgreich durchgeführt – und damit der Herstellung der Seen, der Zu-, Über- und Ableiter durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH als Trägerin der Sanierung rechtlich den Weg geebnet.

Mit dem Wasser kommt die Schifffahrt

Inzwischen ist die Herstellung der Seen weit fortgeschritten, einige von ihnen haben bereits ihren Endwasserstand erreicht und sollen wassertouristisch genutzt werden. Ganz vorn liegen hier der Geierswalder, der Bärwalder, der Berzdorfer und der Partwitzer See.

Doch bevor es mit Booten, Schiffen und Wassersportgeräten aufs oder zum Baden ins Wasser gehen kann, sind weitere rechtliche Anforderungen zu erfüllen. Immerhin konnte die obere Wasserbehörde bei den genannten Seen seit mehr als zehn Jahren temporäre Genehmigungen für ausgewählte wassersportliche Nutzungen in begrenztem Umfang erteilen.

Mit dem neuen Sächsischen Wassergesetz von 2013 wurde die überwiegende Zahl der noch in Herstellung befindlichen Tagebaurestgewässer für schiffbar erklärt – sofern ihre Herstellung, heißt es im Gesetz, „soweit gediehen ist, dass eine gefahrlose Ausübung der allgemeinen Schifffahrt durch Jedermann eröffnet werden kann“. Die Aufgabe, das festzustellen, obliegt nun wieder der LDS. In diesem Zusammenhang muss die Behörde prüfen, ob zur Einhaltung natur- wie immissionsschutzrechtlicher Vorschriften gegebenenfalls Einschränkungen der für Schiffe nutzbaren Wasserfläche oder der Ausschluss bestimmter Wasserfahrzeuge erforderlich werden.

Den Geierswalder See konnte die LDS bereits 2013 für schiffbar erklären. Nach Abschluss weiterer Prüfverfahren werden nächstens der Bärwalder See und der Berzdorfer See freigegeben. Damit wird die Lausitz für Surfer, Segler, Ruderer, Kanuten und Schwimmer wieder ein ganzes Stück attraktiver.

Abteilung Umwelt, Referat Oberflächenwasser, Hochwasserschutz

Tagebau Nochten: Noch wird hier Kohle gefördert. Foto: Landesdirektion Sachsen

Südbucht des Geierswalder Sees: Bootshafen, Hotel und Leuchtturm künden vom Strukturwandel. Foto: Peter Radke/Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH