Geschichte

Dienststelle Dresden

Stauffenbergallee 2 - Teil der Albertstadt

Das 340 Meter lange Gebäude, in dem seit Oktober 1996 das Regierungspräsidium Dresden, später die  Landesdirektion Dresden und seit 01.03.2012 die Landesdirektion Sachsen (Dienststelle Dresden) sowie das Landesamt für Finanzen ihren Sitz haben, ist eigentlich ein Kasernengebäude gewesen, in dem das 2. Grenadier-Regiment 101 unter Hoheit von Kaiser Wilhelm, König von Preußen, untergebracht war.
Baustart für die zur früheren "Albertstadt" gehörende Kaserne - benannt nach König Albert von Sachsen (1828 - 1902) - war im Jahr 1871. Den Aufbau der damals mit 360 Hektar größten und modernsten deutschen Kasernenstadt leitete im ersten Bauabschnitt der sächsische Kriegsminister Alfred von Fabrice (1818 - 1891). Finanziert wurde die Errichtung der "Albertstadt" auf den Hangtrassen des Hellers und der Dresdner Heide aus den Gewinnen des deutsch-französischen Krieges. Der Kostenaufwand lag insgesamt bei 20 Millionen Mark. Anfangs zählte die Kasernenstadt 12 000 und später 20 000 Mann. Die beiden Grenadierkasernen auf der Stauffenbergallee 2, eine davon für das 1. Königlich-Sächsische Leibgrenadier-Regiment 100, wurden 1877 eingeweiht. Zu ihnen führte die drei Kilometer lange, bis 30 Meter breite Heerstraße zwischen Radeburger und Radeberger Straße, die auf drei 23,4 Meter hohen Brückenbögen über den Prießnitzgrund führte. 1991 wurde die ehemalige Hauptverbindung der Garnisonsstadt in Stauffenbergallee umbenannt. Die 1. Königlich-Sächsische Grenadierkaserne westlich der damaligen Heeresstraße ist 1945 zerstört worden.

Nördlich davon stand an der heutigen Marienallee das zweietagige Garnisons-Lazarett mit 425 Betten und der Administratur. Dort erinnert ein Gedenkstein an den Hygieniker und Militärarzt Wilhelm August Roth (1833 - 1892) mit einem Relief von Heinrich Epler. Im Zentrum der Gesamtanlage, am heutigen Olbrichplatz, stand das Hauptgebäude des Königlich-Sächsischen Arsenals. Das Gebäude beherbergte später das Heeresmuseum, wo nach 1945 das Armeemuseum der DDR einzog. Jetzt befinden sich dort das Militärhistorische Museum und die Militärbibliothek Dresden. Weitere Kasernen dienten der Kavallerie, Artillerie und dem Train (Rückwärtige Dienste). Ferner gab es eine Reitschulkaserne und die Pionierkaserne Ecke Königsbrücker Straße. Zwischen der Sächsisch-Schlesischen Eisenbahn und der Königsbrücker Straße befand sich das Militärfestungsgefängnis für 400 Gefangene, einschließlich Gerichtsgebäude und Disziplinar-Arreste. Neben einer Dampf-Waschanstalt verfügte die Kasernenstadt über Mehl- und Körnermagazine. 120 000 Zentner Körner und Mehl konnten in fünf Etagen gelagert werden. Hinzu kamen eine Dampfbäckerei mit Brotmagazin, Rauchfutter-Magazine und eine Schlachtanstalt. Bevor die Kasernengebäude errichtet werden konnten, waren zwei Millionen Kubikmeter Sandboden zu bewegen. Sämtliche Militärbauten wurden mit Sandsteinfassaden in spätklassizistischen und Neorenaissanceformen gestaltet.

Die wechselnden Nutzer im Kasernengelände Stauffenbergallee 2 spiegeln anschaulich deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts wider. Mit der Abdankung des Kaisers am Ende des Ersten Weltkrieges hatte auch das 2. Grenadier-Regiment 101 ausgedient. Nach 1918 zog in der Weimarer Republik ein Korps der Reichswehr in die Kasernen. 1933 hatte dort mit dem Machtantritt Hitlers die Wehrmacht ihren Sitz. Nach Kriegsende bezog der Stab der 1. Ukrainischen Front unter Marschall Konew das Kasernengelände. Zwischen 1946 und 1992 residierte dort die Erste Gardepanzerarmee der sowjetischen Streitkräfte. Mit Abzug der späteren GUS-Truppen übernahm der Bund 1992 die gesamte Liegenschaft. Ein Jahr darauf begannen erste Aktivitäten für eine nichtmilitärische Wiedernutzung des Areals.

Fotos: Historische Aufnahmen mit freundlicher Unterstützung der Sächsischen Landesbibliothek/Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB).